In einer Kläranlage wird das Abwasser mit verschiedenen Methoden und Verfahren gereinigt. Klassisch unterscheidet man drei Stufen:
1. Stufe: mechanische Reinigung
2. Stufe: biologische Reinigung
3. Stufe: weiter gehende Reinigung

Um eine effektivere und kostengünstigere Reinigung zu erzielen, wurde diese starre Einteilung in den vergangenen Jahren jedoch vielfach aufgehoben. So unterscheidet man zum Beispiel im so genannten A-B-Verfahren (Adsorptions-Belebungsverfahren) eine hoch belastete Reinigungsstufe, in der bereits eine hohe Elimination organischer Stoffe erzielt wird, und eine schwach belastete Reinigungsstufe. Die weiter gehende Abwasserbehandlung erfolgt meist in den Klärbecken der schwach belasteten Reinigungsstufe.
Gemeinsam ist allen Klärverfahren, dass dem eigentlichen Klärprozess eine mechanische Entfernung von Grobstoffen in der Rechenanlage vorgeschaltet ist. Hier werden zum Beispiel Papier, Textilien, Holz und Plastik zurückgehalten. Ein Sandfang entfernt unter anderem Sand, Kies und Steine, ein Ölabscheider Fette und Öle.
Im Jahr 2004 sind in Deutschland pro Tag rund 14 Millionen Kubikmeter Abwasser angefallen. Es stammt überwiegend aus den Bereichen Haushalt, Straßenentwässerung sowie Gewerbe und Industrie. Rund 10.000 Kläranlagen unterschiedlicher Größe sorgen für die Reinigung des kommunalen Abwassers. Mehr als 90 Prozent der Bundesbürger sind an diese Kläranlagen angeschlossen. Das restliche Abwasser wird über Kleinkläranlagen und Sammelgruben entsorgt.
Über 94 Prozent der Kunden sind an eine Kläranlage mit biologischer Reinigung angeschlossen. Mehr als 53 Prozent aller Kläranlagen sind sogar in der Lage, das Abwasser in der so genannten „weiter gehenden Abwasserreinigung“ fast vollständig von Stickstoff und Phosphat zu befreien.
Die Entfernung der im Abwasser gelösten Stoffe und Schadstoffe erfolgt durch unterschiedliche Mikroorganismen, wie zum Beispiel Bakterien, Pilze, Rädertierchen. Seit einigen Jahren legen wir im Klärwerk bei der so genannten weiter gehenden Abwasserbehandlung besonderen Wert auf die Entfernung von Stickstoff- und Phosphatverbindungen aus dem Abwasser, unter anderem mithilfe bestimmter Mikroorganismen. Eine Überdüngung der Gewässer und der damit einhergehende Sauerstoffmangel können so vermieden werden.
Teilweise schließt sich an diese Reinigung noch eine Filtration an, bei der auch feinste Partikel aus dem Abwasser entfernt werden, bevor die Rückführung in den natürlichen Wasserkreislauf erfolgt.
Klärschlamm – wertvoller Dünger und energiereicher Brennstoff
Bei jedem Klärprozess fällt Klärschlamm an. In ihm sammeln sich die aus dem Abwasser entfernten Stoffe. Er besteht außerdem zu einem großen Teil aus den Mikroorganismen, die für die Klärung des Abwassers verantwortlich sind und vor allem auch aus Wasser. In verschiedenen Entwässerungs- und Trocknungsstufen wird dieses Wasser von der eigentlichen Trockensubstanz getrennt. Dieser Prozess ist sehr energieaufwändig. Die Energie wird wir zum Teil aus dem beim Klärprozess entstehenden Methangas gewonnen.
Rund 2,3 Millionen Tonnen Klärschlammtrockenmasse fallen jedes Jahr in Deutschland an. Dieser Klärschlamm geht als Dünger an die Landwirtschaft, wird kompostiert, auf einer Deponie entsorgt oder einer Verbrennungsanlage zugeführt. Da Klärschlamm sehr energiereich ist, kann er auch in Kohlekraftwerken mitverfeuert werden.
Leistungsspektrum
Die sichere und fachgerechte Abwasserentsorgung erfordert die Erfüllung zahlreicher Anforderungen. Über das Kanalnetz wird das Abwasser aus Haushalten, Gewerbe und Industrie der Kläranlage zugeführt. Dort sind die Abwasserentsorger für die Reinigung zuständig. Anschließend leiten sie das von Schadstoffen befreite Wasser wieder dem Wasserkreislauf zu, indem sie es in ein Gewässer abfließen lassen.

Alle "Abfallprodukte", die bei der Abwasserreinigung entstehen, werden verwertet oder entsorgt. So geben die Abwasserentsorger Öle und Fette aus unserem Fettabscheider an die Industrie, Teile der im Sandfang gesammelten Materialien finden im Straßenbau Verwendung. Das bei der Klärung entstehende Methangas nutzen sie zur Energiegewinnung in der Kläranlage. Den Klärschlamm liefern sie als Dünger an die Landwirtschaft, entsorgen ihn auf einer Deponie oder verbrennen ihn.
Selbstverständlich sind die Abwasserentsorger in unserem Einzugsgebiet auch für die Regenwasserbewirtschaftung zuständig. Kanalnetze sind so zu bemessen, dass sie auch bei stärkeren Regenereignissen eine große Sicherheit vor Überflutungen bieten. Durch verschiedene Maßnahmen stellen die Abwasserentsorger die Reinigung von belastetem Regenwasser sicher, bevor sie es in die Gewässer ableiten – zum Beispiel durch Bodenfilter- und Versickerungsbecken oder durch Behandlung in der Kläranlage. In den letzten Jahren sind wir verstärkt auch zu dezentralen Lösungen übergegangen. Die ortsnahe Versickerung von Niederschlagswasser stärkt den Wasserkreislauf und entlastet den Abwassergebührenzahler.
Große Beachtung finden die Instandhaltung, Sanierung und der Ausbau des Kanalnetzes sowie der Kläranlagen.
Schließlich müssen diese Anlagen zuverlässig rund um die Uhr ihre Aufgaben erfüllen. Außerdem ist immer wieder auch eine Anpassung an geänderte gesetzliche Vorgaben notwendig.
Das Kanalnetz – die Verbindung zur Kläranlage
In Deutschland sind mehr als 96 Prozent der Bevölkerung an das Kanalnetz der öffentlichen Abwasserentsorgung angeschlossen. Es hat eine Länge von insgesamt rund 515.000 Kilometern. Das Kanalnetz sorgt dafür, dass Ihre Abwässer zur Kläranlage gelangen und dort den gesetzlichen Vorgaben entsprechend gereinigt werden können.

Damit das Abwasser ungehindert zur Kläranlage abfließen kann, auf seinem Weg nicht "verloren geht" und so zur Gefahr für das Grundwasser werden kann, wird regelmäßig in die Wartung, Instandhaltung, Erneuerung und den Ausbau der Kanäle investiert. Dafür werden durchschnittlich in Deutschland etwa fünf Milliarden Euro ausgegeben.
Zu den immer wiederkehrenden Arbeiten am Kanalnetz gehört das Reinigen von Sand und Schlamm, das Überwachen des Kanalzustandes und das Beseitigen von undichten Stellen.
Um Kosten zu sparen und die Kunden nicht unnötig finanziell zu belasten, gleichzeitig jedoch eine angemessene Abwasserreinigung sicherzustellen, ist auch hier vielfach in dezentrale Lösungen investiert worden. So können die gesetzlichen Anforderungen zum Beispiel mit Pflanzenkläranlagen auch für kleinere, abgelegene Ortsteile erfüllt werden.
Getrennt oder "gemischt" – die Entsorgung von Schmutz- und Regenwasser
Die Entsorgung von Schmutz- und Regenwasser erfolgt in Deutschland über zwei verschiedene Kanalsysteme – die Trenn- und die Mischkanalisation.
Bei einer Trennkanalisation gibt es zwei Kanäle. Die Abwasserentsorgungsunternehmen entsorgen das Schmutz- und Niederschlagswasser getrennt. Das "normale" Abwasser leiten wir zur intensiven Reinigung in die Kläranlage. Das meist nur leicht verschmutzte Niederschlagswasser wird vorgereinigt, etwa in Regenbecken oder Bodenfiltern und dann direkt dem nächsten Gewässer zugeführt. Die aufwändige und teure Reinigung in der Kläranlage entfällt.
Ein wichtiger Hinweis: Falls Sie an eine Trennkanalisation angeschlossen sind, gehört das Putzwasser nicht in den Straßengully, die Autowäsche auf der Straße ist tabu. Andernfalls gelangt das eingeleitete Schmutzwasser ohne die notwendige Reinigung in der Kläranlage direkt in den Wasserkreislauf.
Bei einer Mischkanalisation entsorgen die Abwasserentsorgungsunternehmen das Schmutz- und Niederschlagswasser gemeinsam in einem Kanal, der das Wasser zur Kläranlage transportiert. Bei starken Niederschlägen speichern wir einen Teil des Wassers zum Beispiel in Regenrückhaltebecken zwischen und geben es zeitverzögert an die Kläranlage ab. Bei der Zwischenspeicherung erfolgt auch hier eine Vorreinigung des Wassers.
Ob Sie an eine Trenn- oder Mischkanalisation angeschlossen sind, hat häufig historische Gründe. Eine funktionierende Abwasserentsorgung ist Voraussetzung dafür, dass wir in Flüssen, Bächen und Seen ohne gesundheitliche Risiken baden können und dass in diesen Gewässern viele Pflanzen und Tiere einen Lebensraum finden. Sie ist die Grundlage für einen umfassenden Gewässerschutz. Vor allem ist sie aber auch der Garant dafür, dass in Deutschland Seuchen wie Typhus und Cholera der Vergangenheit angehören. Diese beiden Infektionskrankheiten gingen Ende des 19. Jahrhunderts im gleichen Maße zurück wie der Aufbau einer zentralen Abwasserentsorgung voranschritt.
Natürlich haben sich die Anforderungen an die öffentliche Abwasserentsorgung seit den Anfängen vor rund 130 Jahren geändert. Die Abwasserentsorgungsunternehmen haben eine Vielzahl von Aufgaben übernommen.
Abwasserentsorgung ist heute ein zentraler Bestandteil der Umwelt-, Gesundheits- und Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union. Sie bedeutet Wohlstand und Lebensqualität, Sicherheit und wirtschaftlichen Fortschritt für unser Land.